Deutsche Namen

Deutsche Eltern geben ihren Kindern vorrangig Namen mit einem angenehmen Klang. Ein Name soll das Kind möglichst einzigartig machen, ihm durch seine Bedeutung Glück bringen, das Geschlecht anzeigen oder auch eine Tradition fortführen. Nicht zuletzt soll der Name nur wenig Anlass geben, dass ein Kind deswegen geärgert wird.

Meinen Namen hat mein Vater für mich ausgewählt. Nach einem kurzen Blick in ein Vornamenbuch entschied er sich für „Beate“, ein lateinisches Wort mit der Bedeutung „die Glückliche“. Ich bin sicher, dass er dabei nur Gutes für mich gewünscht hat.

Natürlich bin ich nicht immer glücklich, wer ist das schon? Aber es gibt durchaus Situationen, die mich immer wieder glücklich machen. Eine davon sind Reisen nach Südostasien. Das tropische Klima tut mir einfach gut, mein Körper mag die Wärme und meine Seele die Sonne. Die Menschen dort sind zurückhaltend, freundlich und tolerant, das Essen extrem lecker und der Alltagstrott schnell vergessen!

Dieses Glücksgefühl hat mich zum Schreiben dieses Blogs bewogen. Der letzte Asien-Urlaub ist gerade vorbei und der Novemberregen drückt schwer auf mein Gemüt. Was liegt näher, als mich an die schönen Momente zu erinnern und darüber zu schreiben. Ich hoffe, dass sich meine Begeisterung auf Dich übertragen wird. Doch zurück zu den Namen.

Chinesische Namen

Auch in China sollen Namen Glück bringen, aber hier sind die Kriterien noch etwas anders. Zunächst kurz zum Aufbau chinesischer Namen:

Zuerst wird immer der einsilbige Familienname geschrieben oder genannt. Es gibt nur eine begrenzte Anzahl an Familiennamen,  jeder zehnte Chinese heißt Li. Etwa die Hälfte aller Chinesen trägt einen der folgenden zehn Namen:

Li, Wang, Zhang, Liu, Chen, Yang, Zhao, Huang, Zhou und Wu.

Wie die Namen richtig ausgesprochen werden, werde ich bald in einem Artikel über die offizielle Lautschrift Pinyin erklären.

Chinesische Vornamen bestehen immer aus zwei Silben bzw. zwei Schriftzeichen. Weibliche Vornamen haben meist eine Bedeutung, die mit Schönheit und Grazie in Verbindung steht, während männliche Namen Stärke und Größe demonstrieren sollen. Wie bei uns ist die Namensgebung auch in China und Taiwan in letzter Zeit der Mode unterworfen. Neben den oben genannten Merkmalen suchen manche Familien besonders schöne Schriftzeichen mit einem guten Klang aus, am besten aus 8 Strichen bestehende. Die Zahl 8 (bā) verspricht maximales Glück.

Das Schwierige daran ist, dass die Anzahl der Schriftzeichen in der langen chinesischen Geschichte auf ca. 87.000 angewachsen ist. Von dieser riesigen Zahl ist nur ein geringer Teil heute noch in Gebrauch. Der durchschnittliche Chinese verwendet etwa 3.000 – 5.000 Zeichen, besonders gebildete Menschen kommen auf 8.000 – 10.000 Zeichen. Die chinesische Schrift ist nicht – wie unsere – aus Buchstaben aufgebaut, sondern aus Symbolen für Silben. Jede dieser Silben kann außerdem in vier verschiedenen Betonungen ausgesprochen werden, die alle eine andere Bedeutung verkörpern. (siehe Pinyin)

Die zweite Schwierigkeit besteht in den zwei unterschiedlichen Schreibweisen. Über Jahrtausende konnten sich Chinesen aus dem ganzen Reich mit Hilfe der Zeichen verständigen, obwohl die Aussprache regional völlig unterschiedlich war. In den 1950er Jahren wurden in der Volksrepublik China unter Máo Zédōng vereinfachte Schriftzeichen eingeführt, damit alle Menschen schneller lesen und schreiben lernen und der Analphabetismus beseitigt wird. Dieser gewaltige Fortschritt bedeutete aber auch, dass die Menschen in der VR China heute die historischen Dokumente und Kalligrafien der großen Meister nicht mehr lesen können. In Taiwan, Hongkong, Macao und in den Chinatowns weltweit sind noch die traditionellen Schriftzeichen gebräuchlich, die aus mehr und komplizierteren Strichen bestehen. Dennoch können auch die Chinesen dort nicht mehr alle Zeichen lesen.

Wenn also Eltern besonders schöne Schriftzeichen für die Namen ihrer Sprösslinge auswählen, kann das zur Folge haben, dass sie Aussprache und Bedeutung anderen erst erklären müssen, weil diese Zeichen nicht allen geläufig sind.

In der Familie werden Chinesen gern mit dem Verwandtschaftsgrad angesprochen. Neben Mutter (māmā) und Vater (bàbà) gibt separate Begriffe für kleine Schwester (mèimèi), große Schwester (jiějiě), kleiner Bruder (dìdì), großer Bruder (gēgē), Großmutter väterlicherseits (nǎinǎi), Großmutter mütterlicherseits (lǎolǎo), Großvater väterlicherseits (yéyé), Großvater mütterlicherseits (wàigōng), diverse Tanten, Onkel etc. In Taiwan haben wir auch gelernt, dass der Ehemann mit xiānshēng und die Ehefrau mit tàitài angesprochen werden. Unsere aus Shanghai stammende Chinesischlehrerin in Hamburg konnte uns das für die VR China nicht bestätigen, das sei eine veraltete Sprache.

Unter Freunden sind auch Spitznamen üblich, die eher die typischen Eigenschaften der Person widerspiegeln.

Moderne Chinesen geben sich selbst oft zusätzlich einen Namen aus lateinischen Schriftzeichen, der sogar im Pass eingetragen wird, aber auch wieder geändert werden kann. Gern werden dafür Namen amerikanischer Idole wie Filmhelden oder Popstars übernommen.

Visitenkarten

Im Geschäftsleben wird großer Wert auf Visitenkarten gelegt, die mit dem offiziellen chinesischen und dem englischen Namen bedruckt sind und eine möglichst bedeutend klingende geschäftliche Funktion enthalten. Fast jeder ist ein Manager für irgendetwas. Visitenkarten werden übrigens immer mit beiden Händen und einer leichten Verbeugung überreicht. Dabei solltest Du dem anderen in die Augen schauen. Wenn Du eine Karte überreicht bekommst, gehört es zur Höflichkeit, dass Du sie interessiert betrachtest und nicht achtlos in der Tasche verschwinden lässt.

Stempel bzw. Siegel

Ebenfalls sehr wichtig im Zusammenhang mit dem Namen sind Stempel. Stelle Dir diese Stempel nicht wie unsere mit Gummiplatte vor. Ein chinesischer Namensstempel ist ein wichtiges Statussymbol und wird für offizielle Dokumenten benötigt. Er besteht aus hochwertigen polierten Steinen, Edelhölzern, Kristallglas oder anderen edlen Materialien, der Abdruck kann rund oder quadratisch sein. Es wird der offizielle dreisilbige Name in der alten Stempelschrift eingraviert. Der Stempel wird auf Dokumenten wie eine Unterschrift verwendet, sein Abdruck muss bei Ämtern hinterlegt werden und er muss besonders gegen Diebstahl geschützt werden (in der VR China ist das heute nicht mehr üblich).

Viele Touristen lassen sich einen Stempel mit ihrem Namen als Souvenir anfertigen, wobei europäische Namen mit chinesischen Zeichen für Chinesen eher lächerlich aussehen und mit einem „richtigen“ Namen wenig zu tun haben. Meist haben diese Übersetzungen nach dem Klang der Silben keine sinnvolle oder gar eine negative Bedeutung.

Als wir während unseres Aufenthaltes in Taiwan auch Stempel bzw. Siegel machen lassen wollten, haben sich unsere taiwanesischen Kollegen sehr lange beraten, um passende Namen für uns zu finden. Das Ergebnis waren „echt“ chinesische Namen aus drei Silben, die Glück verheißende Zeichen enthalten, ein positive Bedeutung haben und vom Klang her unseren wirklichen Namen zumindest ähnlich ist. Sie suchten für uns Stempel aus Glas aus, in denen Hologramme von Drachen und Phönix zu sehen sind, zwei Symbole aus der chinesischen Mythologie.

Unsere Stempe: aus Glas mit Drachen und Phönix
Unsere Stempel

Aus meinem Nachnamen wurde Bǔ, Familiennamen haben nun mal nur eine Silbe. Das Wort bedeutet „göttlich“, die Bedeutung wird aber bei Familiennamen kaum beachtet.
Beate wurde verkürzt auf Bì Yà, das bedeutet „duftendes Asien“.  So werden die Zeichen in der traditionellen Schrift geschrieben (hier von links nach rechts):卜 苾 

Der Stempelabdruck meines chinesischen Namens
Abdruck

Die chinesischen Zeichen wurden in der Vergangenheit übrigens von oben nach unten geschrieben und die Spalten von rechts nach links angeordnet. So wird es auch heute noch in Regionen gehandhabt, die traditionelle Schriftzeichen nutzen, zumindest in einigen Dokumenten und Büchern. Auf meinem Stempel ist daher der Familienname rechts, die beiden Vornamen stehen links untereinander.

In der Volksrepublik China wurde mit der Vereinfachung auch die in Europa üblich Schreibrichtung übernommen. Durch den Einsatz moderner Druckmaschinen und Computer breitet sich diese Schreibrichtung immer mehr aus.

Mein Name

Über meinen Namen, den „Duft Asiens“, habe ich lange nachgedacht. Der Duft ist in Asien nicht immer gut. Durch das warme Klima riecht es oft modrig oder nach Kanalisation, auch ein „Stinky Tofu“ oder die Leckereien in einem taiwanesischen Seven Eleven gehören nicht zu meinen Lieblingsdüften. Märkte mit Fisch, Meeresfrüchten und Fleisch sollte man ebenfalls nur mit einem stabilen Magen besuchen.

Aber es gibt auch die Düfte von Jasmin, Frangipani, Orchideen, Tee, tropischen Früchten und vielen Variationen köstlichen Essens. Und bleibende Erinnerungen.

Der Duft Asiens ist also ein Mix aus guten und unangenehmen Gerüchen. Und damit ist er passend für mich als Name, eben mit guten und weniger guten Eigenschaften. Alles in allem ist er für mich ein Wohlgeruch.

Damals in Taiwan habe ich nicht besonders gern Oolong-Tee getrunken. Aber wenn ich ihn heute rieche, bekomme ich sofort Sehnsucht nach meiner zweiten Heimat. Deshalb zelebrieren wir zu Hause in regelmäßigen Abständen eine Tee-Zeremonie, um in Erinnerungen zu schwelgen.

Und jedes Mal, wenn ich in Taipei, Hong Kong oder Bangkok aus dem Flieger steige, nehme ich sofort den Duft Asiens wahr, erinnere mich an glückliche Zeiten und fühle mich sofort zu Hause.

 

Hat Dir mein Artikel gefallen? Schreibe mir gern Deine Gedanken dazu.

 

Schönes Fernweh wünscht Dir

Beate