Chinesisches Leben

Zurück zu unseren ersten Wochen im Far Eastern Plaza Hotel Taipei. Der Februar ist leider keine angenehme Jahreszeit in Taiwan. Im Winter regnet es häufig und bei Temperaturen um 10°C ist es unangenehm kalt und feucht. Das Hotel war glücklicherweise beheizt, in privaten Wohnungen ist das nicht unbedingt üblich. Es gibt zwar Klimaanlagen mit Heizfunktion, diese verbrauchen aber viel teure Energie.

An einigen Tagen war die Straße aus dem 30. Stockwerk durch den Regen und Nebel nicht erkennbar. Ich konnte mich also nur innerhalb des Hotels beschäftigen.

Zum Komplex gehört auch ein luxuriöse Shopping Mal, in der alle namhaften Designermarken vertreten sind. Ich war einige Male da, um das Treiben zu beobachten, staunte, wie viel Geld manche Leute für eine einfache Hose ausgeben konnten und stellte fest, dass ich nicht in diese Welt passte. Wenigstens gab es im Erdgeschoss einen Food-Court mit bezahlbaren Mahlzeiten für mittags. Und ich wurde wegen meines blonden Babys immer ausgesprochen freundlich behandelt.

Als das Wetter endlich besser wurde, begann ich ausgedehnte Spaziergänge und Fahrten mit der MRT zu unternehmen. Busfahrten waren leider noch nicht möglich, weil Busse und Fahrpläne nur chinesisch beschriftet waren und ich keine Irrfahrt riskieren wollte.

MRT in Taipei
MRT in Taipei

Der Kinderwagen war nicht wirklich hilfreich, da die Fußwege in ganz Asien nicht darauf eingerichtet sind. Sie haben hohe Bordsteinkanten, sind sehr uneben und oft mit Motorrollern zugeparkt.

Ich packte also meinen Junior in ein Tragetuch und zog los, um die Stadt zu erkunden. Mich beeindruckte das völlig andere Leben sehr, die Mischung aus Moderne und fremder Tradition.

 

Märkte

Gegenüber vom Hotel befand sich eine flache Markthalle zwischen modernen Hochhäusern, die wollte ich mir zuerst anschauen. Die Vielfalt war wirklich interessant für mich: ich sah viele mir unbekannte Früchte und Gemüsearten, lebende Hühner, Fische und Meeresfrüchte, wunderschöne Blumen und es gab auch ein paar Haushaltwaren. Obwohl die Stände sehr sauber waren, mit Edelstahl-Tischplatten, die leicht gereinigt werden konnten, war mir durch die gemischten Gerüche nicht nach Einkaufen zumute. Wir konnten ja im Hotel noch nicht selbst kochen.

Später, als ich die regionalen Lebensmittel besser kannte und auf Chinesisch Preise verhandeln konnte, war ich auch auf Frischemärkten einkaufen, nicht nur im sterilen Supermarkt.

 

Äußerlichkeiten

Oberflächlich nehmen wir Deutschen die Asiaten nur als schwarzhaarig mit gelblicher Haut und schmalen Augen wahr und glauben, sie kaum unterscheiden zu können. Nach genauerem Hinschauen erkennen wir dann doch recht viele verschiedene Merkmale und können sogar einige Nationalitäten auseinander halten. Über die Bevölkerungsgruppen werde ich später noch schreiben. Hier will ich zunächst auf Bekleidungsgewohnheiten eingehen.

Wie in allen Großstädten trifft man in Taipei auf viele Geschäftsleute, die uniformiert im Anzug oder Kostüm unterwegs sind. Einfache Büroangestellte sind meist weniger streng gekleidet, eher leger.

In Kaufhäusern und Ladenstraßen sieht man sehr modebewusste junge Damen, die wirklich jeden Trend mitmachen und für die Geld scheinbar keine Rolle zu spielen scheint. Besonders wichtig ist, dass ein Designerlabel gut erkennbar ist, andere müssen schließlich sehen, dass man sich so teure Sachen leisten kann.

Überhaupt gibt es sehr viele wohlhabende Menschen, die durch den Industrieboom in den 1970er Jahren an der Börse gut verdient haben, Unternehmen und Immobilien besitzen und gut davon leben können.

Im Bürogebäude, in dem mein Mann arbeitete, gab es auch eine Börse. Man sah hier die verschiedensten Menschen ein- und ausgehen, auch Leute in ärmlicher, schmutziger Arbeitskleidung, die trotzdem mit großen Geldbeträgen handelten. „Kleider machen Leute“ gilt offensichtlich nicht für alle.

Es gibt aber durchaus auch ärmere Menschen in Taiwan, wobei uns nie Bettler und Obdachlose aufgefallen sind.

In einigen Wohngebieten und Parks haben wir ältere Menschen mit schlafanzugähnlicher Kleidung draußen gesehen (in China und Vietnam aber deutlich mehr als in Taiwan). Bequemlichkeit und praktischer Nutzen bei >35 °C im Sommer sind für einige eben sinnvoller als Konventionen.

Traditionelle Kleidungsstücke wie Qipao oder Cheongsam, hochgeschlossen, mit meist seitlichen Schlaufenverschlüssen, seitlichen Schlitzen und oft aus glänzenden Brokatstoffen gefertigt, sieht man höchstens als „Uniform“ in Restaurants oder Hotels. Sie scheinen im Alltag nur noch zu Festlichkeiten wie Hochzeiten getragen zu werden.

Traditionelle Kleidung mit passendem Mundschutz gegen Smog
Traditionelle Kleidung mit passendem Mundschutz gegen Smog

Als wir 1998 in Taipei gewohnt haben, war es schwierig, Schuhe für uns zu finden. Einerseits wegen der Größe – kleinere Menschen haben auch kleinere Füße. Für meine Schuhgröße 40 konnte ich wirklich kaum passende Schuhe finden, bei Größe 38 war meist Schluss. Die andere Sache war unser Qualitätsanspruch. Bequeme Schuhe aus Leder und möglichst noch mit Fußbett waren höchstens in sehr teuren Spezialgeschäften zu finden. Die meisten Taiwanesen trugen Flipflops oder andere Schlappen, Turnschuhe oder Kunstleder-Schuhe. Und die oben genannten Modepüppchen alles, was flippig aussah, aber für Füße und Rücken garantiert keine Pluspunkte brachte.

Viele junge, erwachsene Frauen mögen übrigens besonders gern sehr mädchenhafte rosa Kleidung und die Marke „Hello Kitty“. Dieser Trend hält sich schon seit ca. 20 Jahren, wirklich erstaunlich!

 

Asiatischer Wohnstil

Im Gegensatz zu Deutschen bevorzugen Taiwanesen keine Eigenheime, sondern moderne Apartments in Hochhausanlagen. Diese Compounds können – je nach Preis – recht umfangreich ausgestattet sein, z.B. mit Schwimmbecken, Kinoraum, Fitnessgeräten, Sauna, Spielplatz – alles gut umzäunt und bewacht.

Es ist auch üblich, die Fenster und Türen mit Edelstahl zu vergittern, Sicherheit ist wichtig, obwohl die Kriminalitätsrate sehr gering ist.

Die Hochhäuser stehen recht eng und werden oft nur durch schmale Gassen getrennt. Vor den Gebäuden sind die Grundstücke, falls Raum dafür ist, durch hohe Mauern begrenzt. China ist nicht nur das Land der Großen Mauer, sondern auch vieler kleinerer. Dahinter bleibt meist nur Platz für ein paar Grünpflanzen, die übrigens nie in der Wohnung, sondern immer nur draußen stehen.

Beim Betreten einer Wohnung solltest Du übrigens unbedingt die Schuhe ausziehen, das ist so üblich hier.

Nicht alle Häuser sind modern und schick, gerade aus den 1970er Jahren stehen noch viele renovierungsbedürftige Fünfgeschosser mit modrigem Putz und hässlichen Vorbauten an den Fenstern. Sie werden im Zentrum nach und nach abgerissen und durch Neubauten ersetzt, in den Außenbereichen sieht man sie noch öfter.

Die Einrichtung der Wohnungen ist, wie in Deutschland auch, von der Mode beeinflusst. Wir haben mit den Maklern einige Appartements und Häuser bei unserer Wohnungssuche gesehen und kennen die Wohnungen von zwei Kollegen. Die Geschmäcker sind wirklich sehr verschieden. Wir haben sehr traditionelle chinesische Möbel gesehen, moderne geradlinige und aus allen Epochen der europäischen Geschichte zusammengewürfelte mit viel Gold (Hauptsache es sieht teuer aus).

Die meisten Wohnungen haben einen Hausaltar im Wohnzimmer, auf dem einige Götter, wie z.B. Guānyīn sowie der Familie wohlgesinnte Geister aufgestellt und für die Ahnen Räucherstäbchen abgebrannt werden.

Tempelzubehör und Accessoires für den Hausaltar kann man in vielen Geschäften um den Lóngshānsī (Drachenbergtempel) kaufen. Dieser 1738 erbaute Tempel ist der älteste von Taipei. In seiner Nähe befindet sich die Snake Alley, der berühmte Touristen-Nachtmarkt, wo auch Schlangenblut getrunken werden kann – für bessere Potenz, was sonst.

 

Parks

Zwischen dem vielen Beton der Hochhäuser und Straßen finden sich immer wieder kleine grüne Oasen: Parks mit Bäumen, Spiel- und Fitnessgeräten, Bänken. Manche auch mit traditionell gestalteten Goldfisch-Teichen und traditionellen Miniaturlandschaften. An diesen schattigen Orten habe ich oft gesessen und das chinesische Leben beobachtet.

Früh am Morgen trifft man im Park viele ältere Menschen beim Qi Gong oder Tai Chi. Die langsamen Bewegungen halten Körper und Geist fit und sorgen für Balance im Leben.

Später kommen alte Männer, die mit Vogelkäfigen auf den Bänken sitzen, über ihre Züchtungen fachsimpeln oder Mahjong spielen. Paare verschiedener Altersgruppen tanzen zu seichter Schlagermusik. Kleinkinder klettern auf den Spielgeräten.

Nachmittags kommen größere Kinder dazu mit traditionellen chinesischen Kreiseln, Bällen oder Skateboards und Inline Skatern. Viele haben moderne Unterhaltungselektronik dabei. Wir haben festgestellt, dass Taiwanesen sehr aufgeschlossen gegenüber technischen Neuentwicklungen und uns Europäern oft einige Zeit voraus sind, wenn es um neue Trends geht.

Die Stadt hat in den letzten Jahren auch viele größere Parkanlagen wie den Da’An Forest Park geschaffen, die an der Wochenenden von den Einwohnern wirklich stark frequentiert werden. 1998 konnte von Forest noch keine Rede sein, da wurden gerade die ersten Bäume gepflanzt. Aber auch damals war der Park schon gut besucht.

Park am Chiang Kai Shek Memorial
Park am Chiang Kai Shek Memorial

Ein weiterer großer Park befindet sich vor dem Chiang-Kai-Shek-Memorial, das für den ersten Präsidenten der Republik China errichtet wurde. An den Wochenenden sieht man hier viele Kinder mit Drachen und Rollschuhen, aber natürlich auch Erwachsene, die sich erholen möchten. Die nach historischem Vorbild gestalteten Parks im Arrangement mit den Gebäuden der Oper und Konzerthalle im Ming-Stil bieten etwas Ruhe vom geschäftigen Treiben der Hauptstadt.

Blick durch den Park auf die Oper
Blick durch den Park auf die Oper

Religion

Im Gegensatz zur Volksrepublik China, wo Religion während der kommunistischen Zeit verpönt war, wurden religiöse Traditionen in Taiwan ohne Unterbrechung zelebriert. Obwohl im Straßenbild fast nur buddhistische Tempel auffallen, werden auch weitere Religionen in den gleichen Tempeln zelebriert.

Die taiwanesische Verfassung garantiert ihren Bewohnern Religionsfreiheit. Der größte Anteil der Taiwanesen gehört dem Buddhismus und/oder dem Taoismus an, dazu kommt ein traditioneller Volksglaube an verschiedene Geister. Auch die konfuzianischen Lehren spielen im Alltag nach wie vor eine wichtige Rolle.

Wir hatten den Eindruck, dass viele Menschen sich ihr spirituelles Fundament aus mehreren Religionen bauen und von jeder Religion das übernehmen, was ihnen Vorteile verspricht. Sie gehen in den Tempel, um vor Buddha zu beten, aber auch vor den regional wichtigsten Geistern wird geopfert, Wahrsager werden befragt und deren Ratschläge auch wirklich befolgt. Es schadet auch nicht, zusätzlich Jesus oder hinduistische Götter um Wohlwollen zu bitten.

Das mag zwar für religiöse Europäer, die nur einen Gott kennen, sehr ungewöhnlich erscheinen. Ich habe mich unter diesen weltoffenen, äußerst toleranten Menschen immer sehr wohl gefühlt. Nie hat jemand versucht, mir seinen Glauben aufzudrängen, nie hat sich jemand militant verhalten, wie es Christen und Moslems immer wieder tun. Auf die Religionen werde ich in späteren Beiträgen noch zurück kommen.

 

Medizin

Als ich nach Taipei kam, hatte ich mir vorgenommen, auch die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) auszuprobieren. Dazu ist es 1998 leider nicht gekommen, erst 2013.

Mein erster Arztbesuch, noch während des Hotelaufenthaltes, fand im Adventist Hospital statt, in dem es eine kleine Abteilung für Ausländer gab. Die Ärzte und das Personal sprachen hier auch Englisch und hatten meist in Amerika studiert.

Befremdlich fand ich, dass die Türen zum Behandlungszimmer immer offen blieben, so dass alle Wartenden das Arztgespräch mithören konnten. Da ich wegen einer starken Erkältung mit Husten beim Arzt war und er mich mit dem Stethoskop abhören wollte, nahm ich an, dass ich mich dazu ausziehen müsse. Falsch gedacht! Das machte ihm offensichtlich Angst und er hörte meine Atemgeräusche lieber durch den Pullover ab.

Das Hospital hatte, wie auch unser späterer Hausarzt in Tianmu, neben modernsten medizinischen Geräten auch eine Verpackungsmaschine für Tabletten. In einem langen Folienschlauch wurden die Tabletten, sortiert nach Einnahmezeit, fein säuberlich eingeschweißt, sodass es keine Einnahmefehler geben konnte. So war es nicht nötig, nach dem Arztbesuch überhaupt eine Apotheke aufzusuchen.

Moderne Apotheken verfügen über ähnliche Medikamente wie bei uns, alle Marken internationaler Hersteller sind vertreten oder es kann zumindest ein gleichwertiges Produkt angeboten werden. Wir haben das Angebot damals kaum genutzt, weil wir die Behandlung beim Arzt über die Versicherung erstatten lassen konnten.

Neben den modernen gibt es in Taipei auch TCM Apotheken. Die meisten befinden sich im Umkreis der Dihua Street. Leider arbeiteten in den meisten damals ältere Menschen, die kein Englisch sprachen, so dass es mir nicht möglich war, mich ohne Übersetzer traditionell behandeln zu lassen. Vielleicht ist das heute anders.

Traditionelle Apotheke in der Dihua Street
Traditionelle Apotheke in der Dihua Street

Neben medizinisch wirksamen Zutaten, von denen geschätzte 80% zur Stärkung der männlichen Potenz gedacht sind, wie z.B. Haifischflossen oder Tigerpenis, gibt es in der Dihua Street alle möglichen getrockneten Kräuter, Pilze, Meeresfrüchte, sowie Süßigkeiten, Gebäck für das Mondfestival und das chinesische Neujahrsfest sowie andere traditionelle Dinge.

Geschäfte in der Dihua Street am Abend
Geschäfte in der Dihua Street am Abend

Die Dihua Street wird von etwa 100 Jahre alten Häusern gesäumt, die in der japanischen Besatzungszeit entstanden sind. Es ist einer der wenigen Teile der Stadt, wo noch alte Bauten erhalten sind. Bis vor ein paar Jahren galt nur Modernes als gut und das historische Erbe wurde zu Gunsten von Hochhäusern abgerissen. Inzwischen scheint es, wie auch beim Umweltschutz, ein Umdenken zu geben. Historische Gebäude werden zunehmend liebevoll restauriert oder für die Nachwelt zumindest als Museen erhalten.

Dihua-Street mit alten Häusern
Dihua-Street mit alten Häusern

Ähnlich ist es auch mit der TCM. Auch jüngere Menschen erkennen inzwischen, dass der ganzheitliche Aspekt der TCM langfristig bessere Ergebnisse haben kann als schulmedizinische Medikamente, die nur schnell die Symptome behandeln, nicht aber die Ursachen. Mehr und mehr Menschen ernähren sich bewusster und lassen sich vor allem vorbeugend traditionell behandeln.

Akupunkturpunkte
Akupunkturpunkte

 

Yongle Fabric Market (Stoffmarkt)

Die Dihua Street gehört aber nicht nur wegen der traditionellen Apotheken und der historischen Gebäude zu meinen Lieblingsgebieten von Taipei. Für alle Hobbyschneiderinnen und Frauen, die sich gern mit textilen Handarbeiten beschäftigen, sind der Yongle Stoffmarkt und die umliegenden Gassen ein wahres Einkaufsparadies. Der Markt befindet sich in einem Beton-Gebäude mit drei Etagen. Im Erdgeschoss werden frische Lebensmittel verkauft, im ersten Obergeschoss gibt es hunderte kleiner nummerierter Läden mit Stoffen unterschiedlicher Qualitäten und Einsatzgebiete, im zweiten Obergeschoss sitzen Näherinnen, die diese Stoffe nach Kundenwunsch verarbeiten.

Yongle Stoffmarkt in der Dihua Street
Yongle Stoffmarkt in der Dihua Street

In den Gassen um den Markt befinden sich viele Kurzwarenläden, hier verkauft man Reißverschüsse, Knöpfe, Borten, Applikationen, Gürtel u.s.w., und das in riesiger Auswahl. Auf jeder meiner Reisen nach Taipei musste ich hierher, um Möbelbezugsstoffe oder bestimmte Textilien, die es in Deutschland nicht oder nur sehr teuer gibt, zu kaufen.

 

Guang Hua Digital Plaza (Computer Markt)

Auch für die Männer gibt es ein Einkaufsparadies in Taipei, zumindest wenn sie sich für Technik interessieren. Der sich ehemals in der BaDe Road befindliche Computermarkt ist inzwischen in ein neues Gebäude am Civic Boulevard umgezogen. Hier kann „Mann“ sich über kommende Trends informieren und viele interessante Gadgets kaufen.

Guang Hua Digital Plaza (Computer Markt)
Guang Hua Digital Plaza (Computer Markt)

 

Jianguo Weekend Flower and Jade Market (Blumen- und Jademarkt)

Unter der Jianguo Hochstraße findet an jedem Sonntag nördlich des Da’an Forest Parks der Blumen- und Jademarkt statt. Auch wenn man keine Blumen kaufen möchte, lohnt sich ein Spaziergang durch das Meer an Orchideen und anderen duftenden Blüten.

Neben Blumen werden auch Springbrunnen, Teekannen, Jadefiguren und Schmuck verkauft. Leider auch viele kleine, niedliche Jungtiere, die später nicht mehr gemocht werden, wenn sie größer sind.

 

Streetfood

Die Essgewohnheiten sind in Taiwan sicher recht unterschiedlich. Ich kann hier nur beschreiben, was ich bei unseren Kollegen und Freunden wahrgenommen habe, die damals meist junge Leute in den Zwanzigern und Dreißigern waren.

In unserer Familie haben ein gemeinsames Frühstück und Abendessen schon immer eine wichtige Rolle gespielt, diese Mahlzeiten werden fast immer zu Hause frisch zubereitet.

In Taiwan werden morgens meist kleine Snacks auf dem Weg zur Arbeit gekauft, Suppen (in einer verknoteten Folientüte), gedämpfte Brötchen mit Füllung (Bāozi), Sushi, Reiskuchen und andere Kleinigkeiten. Neben diesen eher traditionell asiatischen Speisen gibt es inzwischen auch hunderte Fastfood-Restaurants, amerikanische Café-Ketten und in jedem Mini-Markt werden Sandwiches und Instant-Suppen verkauft.

Puddingkuchen - sehr lecker!
Puddingkuchen – sehr lecker!
Nudelsuppe
Nudelsuppe

Mittags werden in den Firmen Lunchboxen für alle organisiert, meist Reis mit Fleisch, Fisch oder Tofu und Gemüse. Verkäufer dafür stehen in der Mittagszeit mit fertigen Plastikpackungen an den Straßen. Nach dem Essen am Arbeitsplatz folgt ein Mittagsschläfchen mit dem Kopf auf der Schreibtischplatte.

Zwischendurch gibt es oft sehr spezielle Köstlichkeiten wie Erdnuss-Suppe, getrocknete Snacks oder auch Torten, wenn jemand Geburtstag hat. Essen ist auf jeden Fall sehr wichtig und macht das Leben schöner.

Backfisch
Backfisch

Auf dem Heimweg von der Arbeit trifft man sich in Restaurants, auf Nachtmärkten, beim Karaoke oder nimmt einfach eine Tüte voller Essen mit nach Hause.

Gegrillte Spieße
Gegrillte Spieße

In einigen Familien kochen auch die Großeltern und erwarten ihre Kinder und Eltern abends am gedeckten Tisch.

Hier noch eine Nachricht für alle, die glauben, dass alle Chinesen gern Hunde essen:

Unsere Freunde und Kollegen haben weder Hunde noch Katzen oder Ratten gegessen, sie wussten auch nicht, ob das in Taiwan überhaupt gegessen würde. Allerdings muss man erwähnen, dass sie von vielen Gerichten zwar die klangvollen Namen, nicht aber die Zutaten kannten. „Some kind of seafood“ war eine häufige Erklärung.

 

Familienleben

Familienbeziehungen sind ein recht schwieriges Thema. Bis vor wenigen Jahren war in Taiwan alles noch sehr traditionell organisiert, die Familie war die einzige Möglichkeit der Absicherung.

Das heißt: Eltern kümmern sich um ihre Kinder, bis sie selbständig sind. Das kann z.B. so aussehen, dass sie ihrem Kind ein Studium im Ausland finanzieren, zur Hochzeit eine komplett eingerichtete Eigentumswohnung schenken und sich um die Enkel kümmern, während die Eltern arbeiten.

Dafür dürfen sie erwarten, im Alter von den Kindern versorgt zu werden, da es keine staatliche Rentenzahlung gibt. Die ganze Großfamilie hält zusammen und unterstützt sich gegenseitig, wo es nur geht (heute oft als Korruption bezeichnet, aber in vielen Ländern absolut üblich).

Dieses System gerät ins Wanken, da die Familien kleiner werden, die Eltern nicht mehr die absolute Autorität besitzen, Frauen sich emanzipieren, Versicherungen abgeschlossen werden können u.s.w.

Bei einer Hochzeit war es bislang üblich, dass die Frau in die Familie des Mannes umzieht und sich dort den Schwiegereltern unterordnen muss. Eine moderne Frau mit Universitätsabschluss und verantwortungsvoller beruflicher Position hat heute wahrscheinlich eine andere Vorstellung von ihrem Leben, als es Konfuzius vor ca. 2.500 Jahren niedergeschrieben hat. Für ihn hatte die Frau vor allem gehorsam zu sein.

Das Zusammenleben mehrerer Generationen hat sicher viele Vorteile, vor allem wenn es um die Erziehung und Betreuung der Kinder geht, aber es verlangt auch Kompromissbereitschaft von allen Seiten. Das ist in Deutschland nicht anders. Der Trend geht deshalb auch in Taiwan und China weg von der zusammen lebenden Großfamilie. Kinder gibt man lieber in den Kindergarten, weil man sie nicht mehr so autoritär wie früher erziehen lassen möchte und um nicht zu tief in der Schuld der Eltern zu stehen.

Ob die Absicherung alter Menschen in der von mehr Individualität bestimmten Lebensweise funktioniert, wird sich in den nächsten Jahren zeigen.

 

Das soll für heute alles zur Lebensweise in Taiwan gewesen sein. Sicher werde ich einige Punkte in späteren Beiträgen erneut aufgreifen und vertiefen. Schreibe mir gern Deine Ergänzungen oder Anmerkungen in den Kommentaren.

 

Schönes Fernweh wünscht Dir

Beate